Einatmen, ausatmen

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War das nicht ein bewegender Moment, als britische Taucher die zwölf thailändischen Jungen in der Höhle entdeckten? (Siehe hier.) Sie saßen ganz ruhig da und warteten. Keiner weinte. Keiner schrie. Keiner drehte durch oder schien schwer traumatisiert. Und das nach zehn Tagen in der Dunkelheit, der Ungewissheit, der lebensbedrohlichen Situation.

Erklären konnte ich mir das, als ich las, dass ihr Trainer Ekapol Chanthawong mehreren Nachrichtenquellen zufolge mit den Jungen meditiert hat, damit sie ruhig blieben und keine Energie verschwendeten. Er selbst war zehn Jahre lang buddhistischer Mönch und meditierte regelmäßig weiter, nachdem er das Kloster verlassen hatte, um sich um seine kranke Großmutter zu kümmern.

Dass „einatmen, ausatmen“ die Gelassenheit fördert, demonstrieren auf lustige Weise auch Elmo und Bjarne Mädel in der Sesamstraße, siehe hier.

Du kannst es aber auch selbst mal ausprobieren, zum Beispiel beim Wellness-Wochenende am 4./5. August, siehe hier.

Eckige Eier legen

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Das Temperaturempfinden ist bekanntlich unterschiedlich. Was dem einen einen Kälteschock einjagt, sorgt bei anderen für Verbrennungen dritten Grades.

Um alle Teilnehmenden zufrieden zu stellen, habe ich als Yogalehrerin gern eckige Eier gelegt und die Fenster immer auf und zu gemacht. Und die Heizung an und aus.

Alles gleichzeitig.

Leider ist das seit Aschermittwoch nicht mehr möglich.

Und nun?

Auf der Suche nach einer Antwort habe ich mir einfach mal angeschaut, wozu die Kurse gut sein sollen. Zur Entspannung zum Beispiel. Und für die Gesundheit. Schließlich werden sie – anders als Rugby, Boxen und Schneckenrennen – von den Gesundheitskassen bezuschusst.

Aber was genau dient der Gesundheit und Entspannung?

 

Wärme zum Beispiel, weil

– die Muskeln dann besser arbeiten und sich leichter dehnen lassen;

– verklebte Faszien sich leichter lösen;

– die Gelenke besser durchsaftet werden;

– Schweiß den Körper von Giftstoffen befreit;

– sie präventiv wirkt, denn ein kalter Luftzug auf schweißnasser Haut kann u. a. zu einer Erkältung, einer Zerrung oder einem steifen Hals führen;

– sie eine tiefere Entspannung ermöglicht, da die Muskeln sich bei Kälte unwillkürlich anspannen, um die Körpertemperatur auf über 36 Grad zu halten.

 

Und Ruhe …

Darum neige ich dazu – zumindest zur Entspannung – die Fenster zu schließen, weil dann weniger Außengeräusche eindringen. Diese mögen subjektiv nicht als störend empfunden und ausgeblendet werden. Trotzdem kriegt das Unterbewusstsein alles mit und verhindert in der Regel eine wirklich tiefe Entspannung.

Nun machen manche Menschen sich gern Sorgen, sie bekämen nicht genug Sauerstoff. Doch ist das völlig unbegründet. Der Körper kann die gewohnte, fast 100%ige Sauerstoff-Sättigung des Blutes selbst dann aufrechterhalten, wenn der Sauerstoffgehalt der Atemluft auf die Hälfte sinken würde. Dies geschieht in meinen Kursen aber nie, da vorher und in den Pausen ausgiebig gelüftet wird.

Ein weiterer Pluspunkt für die geschlossenen Fenster: Der CO2-Gehalt der Luft steigt moderat an. Dadurch schaltet sich der Parasympathikus an, also der Teil des Nervensystems, der u. a. für Entspannung, Regeneration und den Aufbau des Immunsystems sorgt. Genau das ist gewollt! Außerdem weiten sich durch das CO2 die Blutgefäße, sodass mehr Sauerstoff tiefer ins Gewebe dringt. Paradox, aber wahr: Bei geschlossenem Fenster bekommt der Körper oft MEHR Sauerstoff.

Umgekehrt verengen sich bei Stress die Blutgefäße. Subjektiv meint man dann, ganz viel Luft zu brauchen. Im Extremfall führt das zur Hyperventilation, und man stülpt solchen Menschen eine Tüte über den Kopf. In leichteren Fällen reicht es, mal die Luft anzuhalten. Oder das Fenster zu schließen.

 

Andererseits ….

fühlen sich manche Menschen bei Wärme so unwohl, dass sie dabei in Stress geraten. Das ist natürlich auch nicht Sinn der Sache.

Fit für die Röhre

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Neulich sagte mir eine Kursteilnehmerin:

„Nächste Woche muss ich in die Röhre, und ich habe panische Angst davor. Letztes Mal musste ich nach wenigen Sekunden abbrechen. Jetzt kann ich schon nicht mehr schlafen vor Angst. Immer sehe ich diese Röhre … Hast du eine Idee, was ich da machen könnte?“

 

Spontan sind mir drei hilfreiche Strategien eingefallen.

1. Verdrängen, vermeiden:

Wenn du dich total überfordert fühlst, kannst du das Problem erst einmal beiseite schieben, dich also sedieren lassen. Dann bekommst du dein MRT, hast aber immer noch Angst davor. Das Problem bleibt also ungelöst und verschärft sich womöglich, weil du dich als jemanden erlebst, der mit dieser Situation nicht umgehen kann.

2. Ängste auflösen:

Du kannst dich von den äußeren Umständen lösen – im MRT selbst, aber auch schon vorher, wenn die Angst dich überkommt. Stattdessen wendest du dich dir selber zu und erforschst, wie genau sie sich in deinem Körper anfühlt, z. B. „Oh, wie schnell mein Herz doch schlägt. Und, ah, im Bauch klumpt sich was zusammen. Der Kiefer ist ganz fest. Interessant! Und es bringt mich nicht um. Ich kann das aushalten. Wow, was bin ich doch mutig!!!“

Auf diese Weise kämpfst du NICHT gegen die Angst; das würde sie nur stärker machen. Du fachst sie aber auch nicht immer wieder neu an durch Gedanken an die Röhre und dass du das nicht aushalten kannst. Darum wird sie schnell in sich zusammenfallen, beim nächsten Mal schwächer sein und schließlich ganz verschwinden.

3. Ein Gefühl von Sicherheit kultivieren:

Ist der Körper entspannt, denkt der Panikmacher im Kopf, also das Stammhirn, dass alles in Ordnung ist. Hierzu praktizierst du die Entspannungs-Methode, die bei dir am besten funktioniert, z. B. progressive Muskelentspannung, Bodyscan, Bienensummen, Bauchatmung mit verlängertem Ausatmen etc. Auch entspannende Musik kann hilfreich sein oder beruhigende Sätze, die du dir selber sagst. Beruhigend wirken auch innere Bilder, zum Beispiel die Vorstellung eines sicheren Ortes, eines Berges oder eines Menschen, der dir das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit gibt, etc.

So pflanzt du schöne Blumen in deinem inneren Garten. Entweder dorthin, wo zuvor die Angst war (nach Methode 2). Oder an alle möglichen Stellen, sodass sie das Angst-Unkraut mehr und mehr verdrängen.